Alpentour 2015 Tag 1: München (D) – Stilfser Joch (I)

Fahrstrecke: München – Bad Tölz – Ammersattel – Plansee – Reutte – Hahntennjoch – Imst – Piller Höhe – Reschenpass – St.Maria Val Müstair – Umbrailpaß – Stilfser Joch
Länge: 331,11 km
Höhenmeter: + 5503,25 m / – 3274,10 m
Abfahrt: 8:10 Uhr
Ankunft: 21:20 Uhr

Tag1

Profil Tag1

Ein kleinen Einblick in den Start des Tages hatte ich Euch ja schon gegeben. Von München ging es zunächst nach Holzkirchen. Frühstück beim Bäcker am Marktplatz.

Passat-Holzkirchen

So gestärkt konnte der Tag beginnen. Und es sollte ein langer Tag werden…

Über Bad Tölz und vorbei an Garmisch-Partenkirchen ging es über den Ammersattel nach Österreich. Der erste Pass, jedoch mit 1118m wieder kaum als solcher erkennbar. Ein Passschild haben wir auch nicht gefunden, nur diese typische Ländertafel mit den nationalen Höchstgeschwindigkeiten.

Ammersattel

Also weiter. Wir hatten auch einen gewissen Zeitdruck, denn zum Mittag wollten wir in Imst sein. Dort wollten wir eine Zusammenkunft der besonderen Art abhalten.

Automatisch fährt man dann auch ein ganze zeitlang am Ufer des Plansees entlang.

Plansee

Auch hier waren kein Stopp eingeplant. Auch wenn wir den bei den vorherrschenden Temperaturen durchaus genossen hätten. So blieb ein neidischer Blick auf die im See schwimmenden Leute.

Wenig später war dann Schluß mit lustig. Johannes und Julian konnte ich nicht mehr im Rückspiegel ausmachen. Das war am Ortseingang von Reutte. Anfangs dachte ich noch, dass sie wahrscheinlich einfach nur an der Kreuzung hängengeblieben sind. Ich wartete am Straßenrand aber niemand kam. Also umgedreht und da standen die beiden. Auf der Tankstelle am Ortseingang.
Joahnnes Passat wollte nicht mehr. Er ist einfach ausgegangen und lies sich auch nicht mehr starten. Batterie völlig am Ende.

passat-hauben-auf

Den Fehler konnten wir schnell lokalisieren. Julian hatte Multimeter und Überbrückungskabel dabei, so dass wir Johannes Passat wenigstens noch mal wieder zum Laufen bekamen. Lichtmaschine ist hinüber. Mit Ach und Krach brachte sie noch 11,5 Volt. Ohne Licht, ohne Gebläse. Sobald irgendein Verbraucher dazu kam, sackte die Spannung noch weiter ab.

Und jetzt? Auf einem Sonntag Mittag in Reutte. Guter Rat war teuer und dann war da ja noch unsere Verabredung in Imst. Hier wartete Carlos mit seiner Frau und einem gelben 74er Passat. Sie kamen extra aus Zürich um den Rest des Tages bei uns mitzufahren.

Jetzt mussten wir umdisponieren. Carlos und Conchi machten sich auf den Weg nach Reutte und wir versuchten irgendwo eine Lichtmaschine aufzutreiben. Ich hatte noch versucht an den Regler zu kommen, da es sich aber um eine Motorola-Lima handelte war das nicht ganz so einfach. Als ich den Verschlußdeckel ab hatte, hatte sich das Thema sowieso erledigt.

motorola-lichtmaschine

Die ganze Vergußmasse war bereits geschmolzen. Hier brauchte ich nicht weitergucken.

Jetzt wurden telefonisch alle möglichen Leute kontaktiert. Ziemlich sicher hätte Johannes ein Lima in München bekommen können. Den ÖAMTC hatten wir zwischenzeitlich auch schon aktiviert. Das sollte aber mindestens zwei Stunden dauern. Ich habe mich dann mal ins Auto gesetzt und habe den Ort abgeklappert.

Dabei bin ich tatsächlich fündig geworden.

schrott-audi

Bei einen Ford-Autohaus standen auf dem Hinterhof diverse Schrottautos. Darunter auch zwei Audi 80 Typ 89. Beim direkt angrenzenden VW-Autohaus gab es übrigens nichts dergleichen.

Die Autos standen wohl schon ewig hier herum, sie waren offen, Scheiben zertrümmert und fast durchweg mit Unfallschäden. Ein Griff und ich hatte eine passende Lima vor Augen.

audi-lima

Die jetzt aber einfach hier ausbauen, war jetzt nicht so mein Ding. Auch wenn die Verlockung doch sehr groß war. Aber nee, das kannst Du nicht machen.
Versuche jemanden von dem Authaus zu erreichen scheiterten. An der angrenzenden Tankstelle hatte niemand einen Kontakt, den wir hätten erreichen können. Ein Haus stand da noch auf dem Gelände, dort haben wir auch noch geklingelt. Aber immer wieder hieß es: „Montag“.

Auch der ÖAMTC-Fahrer hatte nichts anderes parat. Er hätte Johannes noch in die Werkstatt geschleppt. Das hätte uns aber auch nicht geholfen.

Mittlerweile waren dann auch Carlos und Conchi bei uns angekommen.

Passat-b1

So hat man sich zum ersten mal unter etwas unglücklichen Umständen persönlich kennengelernt, aber trotzdem toll, dass sowas über mehr als 1000 Kilometer funktioniert. Bisher kannte ich Carlos nur über facebook. Sein Passat war mir allerdings nicht unbekannt.

passat-1974

Der kommt aus Niedersachsen und den Vorbesitzer kenne ich flüchtig von diversen Oldtimertreffen. Das Teil ist ein wirkliches Schmuckstück.

Mittlerweile lungerten wir jetzt schon drei Stunden auf der Tankstelle herum. Es musste jetzt eine Lösung her. Diese Lösung haben wir dann geschaffen. Johannes bekam die Batterie von Julian und damit hat er sich auf den Weg zurück nach München gemacht. Unter strikter Nichtbenutzung sämtlicher elektrischer Verbraucher hat er es dann auch tatsächlich bis dorthin geschafft. Hier wartete Helmut bereits mit Ersatz. Auch auf diesem Wege noch einmal vielen herzlichen Dank an diese spontane Hilfe.

Johannes war also mal kurz weg. An unseren äußeren Erscheinungsbild änderte das aber zunächst nichts. Wir hatten ja einen gelben Passat als Ersatz.

passat-hahntennjoch

Zu dritt fuhren wir unsere Tour weiter als wäre nicht gewesen. Es ging von Reutte hinauf zum Hahntennjoch.

Dort bleib es aber aufgrund der etwas angespannten zeitlichen Situation bei ein paar Schnappschüßen aus dem Seitenfenster.

Hahntennjoch

Die dort typischen Murenabgänge, die bis direkt auf die Straße reichen, waren trotzdem wieder ein großartiger Anblick. Letztes Jahr hatten wir hier Regen, dieses Jahr keine Zeit. Irgendwann haben wir auch mal gutes Wetter und etwas Zeit im Gepäck.

Leider blieb es durch die zeitliche Verzögerung dann auch bei dieser im Endeffekt nur sehr kurzen Mitfahrt von Carlos und Conchi.

passat-imst

Hier an der Burger World in Imst hatten wir uns eigentlich gegen Mittag verabredet. Jetzt waren wir mit vierstündiger Verspätung hier. Es blieb aber wenigtens noch Zeit für kleines Pläuschchen und einen Happen zu Essen. Gegen 17:00 Uhr trennten sich dann unsere Wege. Die beiden mussten zurück nach Zürich und wir mussten ja noch zum Stilfser Joch. Beides nicht gerade um die Ecke.

Gemeinsam mit Julian setzte ich unsere geplante Tour fort. Auch den Umweg über die Piller Höhe, den man aus Zeitgründen hätte auslassen können, nahmen wir wie geplant unter die Räder.

piller-hoehe-passat

Von hier oben hat mein einen herlichen Ausblick ins Inntal. Dafür haben die hier sogar extra einen Aussichtssteg in den Hang gezimmert.

Piller-hoehe

Für uns blieb nach dem Schnappschuß auf der Anhöhe wieder nur der Blick aus dem Seitenfenster.

inntal

Damit waren wir jetzt auch schon auf dem Weg den nächsten Länderpunkt einzusammeln. Es ging auf direktem Weg nach Italien. Nicht ohne jedoch in Österreich noch mal den Tank vollzumachen. Die Preisdifferenz pro Liter beträgt über 30 Cent. Bei der ersten Tankstelle hatte wir allerdings Pech. Pistole in den Tank und Laufen lassen: 0,1 – 0,2 – 0,3 – 0,4 – 0,5 Liter. Feierabend. Sprit war alle! Die Pächterin wollte es gar nicht glauben und wollte sich selbst davon überzeugen. Auch sie schaffte es nicht noch mehr in meinen Tank zu befördern. „Sowas habe ich in acht Jahren hier noch nie erlebt. War aber auch ein verdammt gutes Wochenende.“ Bei dem Wetter kann ich den Andrang gut nachvollziehen. Im nächsten Ort hatten wir dann mehr Glück.

Jetzt eben über die Grenze, welche auch gleichzeitig der Reschenpass ist und nach fünf Minuten entlang am Reschensee standen wir vor diesem versenktem Kirchturm. Das Bild hat wohl jeder schon mal irgendwo gesehen.

reschensee-passat-b1

Der Reschensee ist ein Staussee dessen Baubeginn in der Zeit des 2.Weltkriegs lag. Fertiggestellt wurde er dann erst im Sommer 1950. Die Häuser des Ortes Graun wurden dafür größtenteils gesprengt. Nur der Kirchturm sollte als Denk- und Mahnmal erhalten bleiben.

Nicht zu übersehen ist die langsam einsetzende Dämmerung. Das wird also gleich am ersten Tag schon die erste Passafhrt im Dunkeln geben. Auch nicht schlecht. Denn bis zu unserem eigentlichen Ziel war es immer noch ein Stück.

ortler-massiv

Aber immerhin konnte man unser Ziel schon mal erahnen. Da oben am Rande des Ortler-Massivs befindet sich unser Tagesziel.

Vorher holten wir uns aber noch den nächsten Länderpunkt.

grenze-schweiz-italien

Im Münstertal ging es noch mal eben kurz in die Schweiz. Die Grenzstation war mal wieder nicht besetzt, somit hatten wir freie Durchfahrt. Der Ausflug in die Schweiz ist zwar nicht unbedingt nötig um zum Stilfser Joch zu kommen, aber die kürzeste und auch schönste Route wenn man von Norden kommt.

Denn im Münstertal beginnt der Umbrailpass der in 2503m in den Passo dello Stevio mündet.

umbrailpass-passat-b1

Ein zweite eigene Rampe hat der Umbrailpass nicht. In Richtung Süden gehts es nur die beiden Rampen des Stilfser Jochs wieder in die Täler.
Damit waren Julian und ich fast am Ziel. Es blieb sogar noch etwas Zeit noch mal das Stativ rauszuholen und die letzten Lichtstrahlen einzufangen.

passo-dello-stelvio

Oben, der helle Punkt, das ist der Scheinwerfer direkt an unserem Hotel. Den Weg dorthin zeigen die Lichtspuren der fahrenden Autos. Es geht also noch weitere 250 Meter in die Höhe.

Jetzt endlich konnte ich auch mal meinen ersten Marker der Tour setzten.

umbrailpass

Der hier war noch einfach, da kamen während der Tour noch ganz andere Herausforderungen auf mich zu.

Der Umbrailpass ist dann auch wieder die Grenze zu Italien. Schweizer Straßen hatte wir somit nur gut 18 Kilometer unter den Rädern. Luftlinie sind das sogar gerade mal 10 Kilometer. Die restlichen 8 Kilometer sind den Kehren auf dem Umbrailpass geschuldet.

Jetzt lag unser Ziel also direkt vor uns. Nur noch wenige Minuten und wir hatten unser Nachtquartier erreicht.

hotel-perego

Das Hotel Perego in 2760m Höhe. Irre!

Aber Moment, da fehlt doch noch jemand. Wo ist eigentlich Johannes? Weit kann er nicht mehr sein. Er hatte sich von unterwegs schon gemeldet. Der Lima-Tausch hatte perfekt geklappt und er hat jetzt den direkten Weg, ohne die Umwege über irgendwelche Pässe genommen.

Kaum eine halbe Stunde nach unserer Ankunft hört ich dieses typische Motorengeräsuch durch mein, natürlich geöffnetes, Zimmerfenster.

passat-stilfser-joch

Ich konnte gerade noch rechtzeitig zur Kamera greifen und Johannes Ankunft im Bild festhalten: 22:05 Uhr und 53 Sekunden.

Damit waren wir wieder komplett. Wahnsinn! Geht nicht, gibt´s nicht!

Das haben wir natürlich noch ausgiebig an der Hotelbar gefeiert. Die haben sogar extra noch mal den Ofen für uns angeworfen und ein paar Paninis und Sandwiches gebacken. Sehr cool. Ich glaube bis wir im Bett waren, war es kurz vor Mitternacht.

Ein wenig Videomaterial habe ich natürlich auch mitgebracht.

Und natürlich auch noch ein paar weitere Fotos.

3 Kommentare

  1. Benny

    Reutte wäre nicht weit von mir gewesen (ca1,5h) und hätte noch 1-2 Golf 2 Limas gehabt. Aber ihr habt das so auch super hinbekommen. Aber hätte, hätte Fahrradkette. 😉

    Grüße von einem jahrelangen stillen Blogleser.

    Antworten
  2. muetze

    ich find das mit den Farben übrigens sehr nett. Als kleiner Hinweis, dies sind die Panafrikanischen Farben und zudem im Rastafari-Glauben sehr wichtig. Wenn ihr die Reihenfolge Rot-gelb-grün hättet ann würde nur noch der schwarze Stern auf dem gelb fehlen dann wärs die Flagge Ghanas 😉 https://de.wikipedia.org/wiki/Panafrikanische_Farben

    Antworten
    1. Julian

      Na dann wirst du dich auf den nächsten Tagen sehr freuen dürfen,an den folgenden Tagen hab ich mit dem roten Passat immer das Schlussfahrzeug gemacht 😉

      Antworten

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