Mini-Alpentour 2019 – Rückblick und Video

Einen Tag habe ich in meinem beiden bisherigen Rückblicken noch fast gänzlich unerwähnt gelassen. Das war der Freitag, also der letzte Tag im Mai.

Man wäre ja blöd, wenn man das Angebot, was quasi am Wörthersee vor der Haustür liegt, nicht nutzen würde. Gerade mal 75 Kilometer sind es zum Beispiel bis zum Mangart in Slowenien.

Das war dann auch der erste Zielpunkt der für diesem Tag auf der Liste stand. Ich hatte wieder einen Mitfahrer, was die Sache natürlich etwas abwechslungsreicher macht. Diesmal hat sich Vocki dazu erbarmt sich mir anzuschließen. Weitere Mitfahrer konnte ich nicht motivieren, bzw. wurden sie durch meine Pläne wohl eher abgeschreckt. Wie sich im Nachhinein herausstellte waren deren Bedenken auch nicht ganz unbegründet.

Wie schon 2017, wo ich es mit Michael versucht hatte ganz rauf aufs Plateau am Mangart zu kommen, ging es zunächst kurz nach Italien um dann am Passo Predil nach Slowenien überzusetzen.

predilpass

Daher dürfte dieser Anblick für Stammleser auch nicht ganz neu sein. Direkt am italienischen Passschild und den Mangart bereits in Sichtweite.

Von meinem vorherigen Besuch zeugte dann auch mein Sticker auf dem Schild.

Zur Sicherheit gab es gleich noch einen. Beim ersten, hat schon jemand etwas drübergepappt.

Bei unserem Besuch vor zwei Jahren war am Mangart noch offiziell Wintersperre.

predelpass

Bei diesen Anblick schwante mir, dass es in diesem Jahr nicht viel anders aussehen wird. Eher im Gegenteil, vor zwei Jahren war von der Grenze aus gerade mal ganz oben auf der Spitze noch Schnee zu erkennen.

abzweig-mangart

Der rote Balken am Abzweig war natürlich kein Hindernis. Nur wer wagt, gewinnt.

Wir haben dann auch gewonnen. Und zwar die Erkenntnis, dass hier oben noch massiv Schnee gab.

mangart-schnee-1

Ende im Gelände! Keine einhundert Meter nach dem letzten Tunnel war Schluss.

tunnel-mangart

Der Blick zurück. Den Tunnel habe ich noch in guter Erinnerung…

Wie haben uns dann aber trotzdem noch an der herrlichen Aussicht ergötzt und das Schauspiel der Räumarbeiten bewundert.

mangart-wintersperre

Wenn den beiden das Wetter nicht zur Hilfe gekommen ist, sind die wahrscheinlich immer noch nicht viel weiter.

Nun mussten wir ja irgendwie wieder zurück. Alles komplett rückwärts wollte ich mir nicht antun. Dann lieber auf der kleinen Fläche direkt hinterm Tunnel wenden und dabei noch einem Blick über die Kante mitnehmen.

mangart-passat

Gleich vor dem Tunnel gab es einen kleinen Parkplatz an wir dann noch eine kurze Pause eingelegt haben.

schnee-passat-32-32b

Trotz der erneuten Verwährung einer kompletten Auffahrt kann ich sagen: „Nice to be here.“

Wohl oder über mussten wir die knapp zwölf Kilometer jetzt wieder runter.

passat-32b-am-berg

Es ging wieder über den Passo Predil zurück nach Italien. Unten, am Lago de Predil, ging es dann westwärts zum Sella Nevea.

sella-nevea

Außer ganz fiesen Bettenburgen aus Beton gibt es hier weiter nicht viel zu sehen. Halt ein typischer Wintersportort.

Unten angekommen erreicht man dann Chiusaforte im Fellatal.

Chiusaforte

Für uns ging hier wieder Richtung Norden. Auf der gut ausgebauten Strada Statale 13 ging es knapp fünfzehn Kilometer bis Pontebba.

Hier beginnt die Strada Cason Di Lanza nach Paularo. Also die Straße über den Passo del Cason di Lanza.

Eigentlich… Denn das Hinweisschild sagte uns etwas anderes. Viersprachig.

chiuso – ferme – closed – geschlossen

Das kann ja wohl nicht sein. Schon wieder Pech gehabt.

Schnee konnte es aber eigentlich nicht sein. Die Passhöhe liegt gerade mal auf 1550 Meter. Als wir dann am Schild so beratschlagten was wir nun machen, kam uns ein Geländewagen der Corpo Forestale entgegen.

Nun gut, das gab uns einen Anhaltspunkt warum die Straße gesperrt war. Aber wenn Forstpolizei weg ist, können wir ja los.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wir wagten und es wurde auch sehr schnall klar, dass die Straße durch Witterungseinflüsse so ihre Macken hatte.

Tatsächlich gab es fiese Absätze, weil der Boden unter der Straße nachgegeben hatte.

Immer wenn man gedacht hatte, jetzt haben kennen wir den Grund für die Sperrung, tat sich aber wieder ein neues Hindernis auf.

strada-di-lanza

Hier hatte man den abgesackten Asphalt provisorisch mit Splitt aufgefüllt. Na gut, das war es dann jetzt wohl. Pustekuchen.

sperre-di-lanza

Aber wenn die wirklich gewollt hätten, dass hier keiner durchfährt, hätten sie die Absperrung bestimmt ganz auf die Straße gestellt.

In den nun folgenden Waldstücken waren dann umfangreiche Arbeiten in Gange. Man konnte deutlich erkennen, das die Straße an mehreren Stellen vollkommen verschüttet war. Beiseitig häuften sich entwurzelte Bäume, Geröll und riesige Felsbrocken.

Aber wir kamen durch. Teils etwas argwöhnisch beäugt. Das ist ja aber bei alten Autos eigentlich normal.

Vorsicht war allerdings wirklich geboten, denn da waren weitere tiefe Löcher im Asphalt.

passat-32b-rot

An der nächsten Stolperstelle habe ich erst einmal Halt gemacht und konnte Vocki so von oben beobachten wie er die Kehren hochkam.

Die nächste Stolperstelle war dann zunächst wieder so ein nicht gewollter Absatz in der Straße.

strada-lanza

Diesen Absatz und den etwas weiter oben auf der Straße liegenden, gut fünfzig Meter langen Riss in der Fahrbahndecke, wollten wir uns vor der Weiterfahrt lieber einmal genauer angucken.

passo-cason-di-lanza

Der Absatz war bezwingbar, wenn man sich ganz außen auf der Fahrbahn hielt.

absatz-di-lanza

Und mit unseren Schmalspurautos konnten wir auch den Riss links liegen lassen.

street-damaged-di-lanza

Geschafft! Kurz darauf passierten wir die Absperrung der Gegenrichtung. Jetzt war wieder Normalzustand und kurze Zeit später haben wir dann die Passhöhe erreicht.

passo-del-cason-di-lanza

Und sogar das Rifugio hatte geöffnet.

Man spricht anscheinend mittlerweile sogar deutsch.

malga-cason-di-lanza

Mit Deutsch klappte das dann allerdings überhaupt nicht. Es ist ja nicht so, dass ich das erwarten würde, mich stimmte das nur etwas befremdlich, wenn ein junges Mädel, ich schätze sie war noch keine 18 Jahre alt, nicht ein Wort deutsch oder englisch versteht. Wie kann das sein? Wir befinden uns hier keine zwei Kilometer von Österreich entfernt.

Mit Händen und Füßen haben wir uns dann aber verständlich machen können. Auch wenn es nur jeweils zu einer Portion Spaghetti Bolognese und einer Apfelschorle gelangt hat. Lecker war´s auf alle Fälle und nett bedient wurden wir trotzdem. Irgendwie schlägt man sich halt durch.

Damit wären ich auch schon gleich wieder beim Thema. Wir hatten jetzt drei Optionen. Den Passo Cason di Lanza wieder runter nach Pontebba, auf der anderen Seite runter nach Paularo oder direkt rüber nach Österreich.

Paularo schied aus, weil wir dann zu weit ab vom Schuss wären, den gleichen Weg wieder runter wollten wir eigentlich auch nicht. Blieb noch die Option mit dem kurzen Weg nach Österreich.

Man mag es kaum glauben, aber diese Option gibt es tatsächlich.

austria-passo-di-lanza

Gut einen Kilometer passabwärts Richtung Paularo steht dieses unscheinbare Schild am Straßenrand. Dass ist mir bei unseren Alpentour 2015 schon ins Auge gefallen und warf Fragen auf.

Es gab hier tatsächlich noch einen Pass und der ist ganz offiziell befahrbar. Den Passo Polentin und der beginnt genau hier.

beginn-passo-polentin

Also nicht links den Passo Cason di Lanza weiter, nein, geradeaus hinein ins Vergnügen.

Ich hatte mir im Vorfeld ein paar Videos auf youtube angeguckt und da wurde eines klar: PKW´s gab es da nicht zu sehen. Das war ein typische Strecke für Enduros und Quads.

Bei der Bildersuche bin ich dann über einen T3 Syncro und einen Nissan Pathfinder mit Wohnkabine gestolpert. Von der Breite her sollte es also keine Probleme geben.

Was jetzt noch auszutesten war, war die Bodenfreiheit und die Geländegängigkeit. Nach fünfzig Meter, direkt im Einstieg zum Pass, die erste Bewährungsprobe.

Ich bin vorweg und Vocki hat bei mir die Luft unterm Passat gecheckt. Es war knapp aber ging ohne aufzusetzen.

Im Anschluss habe ich dann bei Vocki unters Auto geguckt.

Auch kein Problem. Die Einfahrtskontrolle haben wir also überwunden.

Was folgte war ein Ritt zwischen dem ersten und zweiten Gang. Ich zitiere mal aus dem Denzel Alpenstrassenführer, der Fibel für Alpenfahrer:

„Mit grobem Schotter, spitzen Steinen, und gemauerten Wasserablauftrögen, die mit einem normalen PKW nicht gemeistert werden können, … Dabei hat man ein kräftiges Gefälle (in unserem Fall Anstiege) von 18%, wobei die steilsten Passagen aber mit Natursteinen betoniert wurden.

Hier mal so eine Wasserrinne und gleich der Übergang von Schotter auf die betonierten Natursteine.

passat-passo-polentin

Diese oder ähnliche Rinnen gab es praktisch alle 200 Meter und waren natürlich nur in Schrittgeschwindigkeit zu passieren.

passo-polentin-rinne

Absolut irre!

Dann nach gut einem Kilometer mal wieder sowas wie der Hauch von Zivilisation.

passo-polentin-friaul

Bewirtschaftet war die Alm zu diese Zeitpunkt allerdings noch nicht. Alles verschlossen.

Der Regen in den vergangen Tagen hatte auch hier so manches Matschloch an Leben erhalten.

passo-polentin-matschloch

Augen zu und durch.

Für die gut zwei Kilometer bis zur Passhöhe haben wir ziemlich genau eine halbe Stunde gebraucht.

passo-polentin

Hier befinden wir uns schon auf österreichischer Seite. Relativ neuen Datums scheint wohl das extra aufgestellte Schild zu sein.

Davon hatte ich in diversen Berichten nie etwas gelesen. Da war immer nur die Rede von einem Grenzstein, der sich etwas abseits des Weges befindet und man daher schnell mal den Grenzübertritt verpasst.

passo-polentin-grenzstein

Eine grüne Grenze wie es sie wohl nur sehr selten gibt.

Die Abfahrt auf österreichischer Seite ist das weitaus weniger spektakulär. Der Schotter war deutlich feiner und die Wege gut fahrbar. Nur die unzähligen Abzweigungen machten es öfters mal nötig das GPS anzuwerfen.

passo-polentin-abzweig

Die Beschilderung war wohl mehr auf Wanderer ausgerichtet.

Die Hoffnung auf der Straniger Alm eine kleine Rast einlegen zu können, wurde uns verwährt. Leider noch nicht geöffnet.

Straniger-Alm

Vielleicht waren wir nur ein Tag zu früh unterwegs. Dazu aber am Ende des Beitrags mehr.

So ließen wir sie hinter uns und begaben uns über die Stranigeralpe auf den langen Abstieg ins Gailtal.

Stranigeralpe

Durch die wesentlich geringere Steigung auf dieser Seite zog die Abfahrt sich wirklich in die Länge. Nach zwanzig Minuten war das Gailtal noch ein ganzes Stück unter uns.

Gailtal

Im Hintergrund ist die Reißkofelgruppe zu erkennen.

Fahrerische Herausforderungen blieben beim Abstieg fast gänzlich aus. Etwas ausgebremst wurden man nur durch den einen oder anderen Wasserablauf. Aber kein Vergleich zu den Rinnen in Italien.

Die Abfahrt dauerte so um die 40 Minuten und zieht sich über gut 11 Kilometer. Dabei geht es von 1578m auf der Passhöhe, hinunter bis auf 630m in Goderschach im Gailtal.

Zu meinem Erstaunen gab es hier von dieser Seite allerdings doch eine Nutzungsbeschränkung für den Forstweg.

stranigeralpe-beginn

Da waren wir also offiziell einen Tag zu früh dran. Deshalb hatte vielleicht auch die Straniger Alm noch nicht geöffnet.

Wer diese Nutzungsbeschränkung umgehen will, fährt einfach in unserer Richtung. Da gibt es keinerlei Beschränkungen und ich denke , so wie wir gefahren sind, ist es interessanter.

Der Denzel muss also neu geschrieben werden.

Wer´s nicht glaubt, kann selber gucken…

Alle Fotos aus diesem Beitrag und noch ein paar mehr habe ich zudem noch in eine Galerie gepackt.

1 Comment

  1. Christian

    Was für ein geiler Bericht! Ich muss immer noch lachen wenn ich an die Strecke denke. Schön anzusehen waren vor allem die abgerissenen und umgebogenen Absturzgeländer / welche Kräfte dort wohl geherrscht haben müssen.
    Schön dabei gewesen sein zu dürfen !

    Reply

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