Auf völlig neues Terrain ging es gestern zur 23. ADAC-Wiking-Historic in Schleswig.
Am Sonntag Morgen um kurz nach Acht in Schleswig zu sein habe ich bisher immer vermieden. Das ist doch wirklich arg früh. Und Schleswig ist ja nun nicht gerade um die Ecke.
Sammelpunkt war zunächst der Betriebshof der Schleswiger Stadtwerke.
Nach der technische Abnahme und dem Papierkram gab es noch letzte Instruktionen von der Fahrtleiterin. Alles verstanden. So schwer sollte es auch nicht werden.
Vielleicht auch gerade deshalb war das Starterfeld kaum noch überschaubar.
Eine bunte Mischung aus Autos und Motorrädern die locker bis in den dreistelligen reichte. Startnummer 114 war wohl die größte Nummer die ich gesehen habe. Das ist schon beachtlich.
Wir hatten Startnummer 35 und waren damit am Schluss des ersten Drittels unterwegs.
Somit noch genügend Zeit sich ein paar von den frisch belegten Brötchen und einer Tasse Kaffee zum Frühstück zu gönnen.
Am Vorstart haben wir dann lange nach dem vor uns fahrenden Fahrzeug gesucht. Das ist es. Das älteste Motorrad im Feld.
Eine Harley-Davidson von 1923 mit einem dänischen Fahrerteam. An deren Anblick sollten wir uns während der Tour noch gewöhnen.
Vom Vorstart an den Stadtwerken ging es in einer kurzen Passage zum Stadthafen von Schleswig.
Erst hier folgte dann der offizielle Start.
Das Ganze mit kleiner Vorstellung von Fahrzeug und Besatzung untern obligatorischen ADAC-Bogen.
Erstaunlich viele Zuschauer die sich schon zu so früher Stunde auf den Weg in den Hafen gemacht haben. Ist ja auf jeden Fall auch für uns interessanter wenn ein bisschen drum herum los ist.
Um 10:20 Uhr sollten wir offiziell starten. Es ist ein paar Minuten später geworden, da der Sprecher etwas hinterher hing. Eine Minute pro Team ist halt mitunter etwas zu wenig. Das sollte sich aber nicht als sehr kritisch herausstellen. Schnell war uns klar, dass die Wiking-Historic eher zu den gemütlicheren Touren gehören sollte.
Auf der Vormittagsetappe gab es drei Gleichmäßigkeitsprüfungen mit jeweils nur einer Zeitnahme. Das war doch sehr überschaubar. Stumme Kontrollen gab es überhaupt nicht. Nur besetzte Stempelkontrollen.
Auch deren Anzahl war mit acht Kontrollen für den ganzen Tag sehr entspannt.
So haben wir es dann auch ganz gemächlich angehen lassen und sind über weite Strecken des ersten Etappe immer schön hinter der alten Harley her gefahren.
Überholen wäre eh nur schwer möglich gewesen, da es über weite Strecken nur über solch beschauliche Nebenstraßen ging. Es gab aber auch gar keinen Grund überhaupt zum Überholen anzusetzen. Die Zeiten zwischen den ZK´s waren auch so locker zu schaffen.
So blieb genügend Zeit auch mal einen Blick für Land, Landschaft und das Drumherum.
Ob dieses Schild in irgendeinem Zusammenhang mit der Wiking-Historic steht, wage ich zu bezweifeln. Passend zum Thema war es trotzdem.
Imposant, aber keineswegs übertrieben pompös. So zeigen sich viele der Wohnhäuser von den größeren Höfen hier in Angeln.
Ob man das schon als Gutshaus bezeichnet kann ich gar nicht sagen. Ab wann ist ein Gut ein Gut?
Auch zum Mittag ging es auf einen dieser landschaftstypischen Angelner Dreiseithöfe.
Hier der Wittkielhof, der mittlerweile zur Eventlocation hergerichtet wurde.
Ein wirklich schöner Rahmen für unsere einstündige Pause.
Nach der Pause gings auf die Nachmittagrunde.
Gleichmäßigkeitsprüfungen gab es hier jetzt nicht mehr. Im Endeffekt haben wir uns nur noch mit einigen Schlenkern wieder auf den Rückweg nach Schleswig gemacht.
Dabei fuhren wir mehrfach entlang der Schlei, ein gut 42 Kilometer langer Meeresarm der Ostsee an deren Ende Schleswig liegt. Ein so tief ins landesinnere ragendes Gewässer verlangt natürlich nach so einigen Querungen. Ein wahres Nadelöhr ist dabei die Klappbrücke von Lindaunis von 1927.
Eisenbahn, Autos, Fahrräder und Fußgänger teilen sich eine Fahrbahn. Sie ist so schmal, dass nur eine wechselseitige Überfahrt pro Richtung möglich ist. Schon ein Radfahrer kann nicht von einem Auto überholt werden. Dazu wird die Brücke noch einmal pro Stunde geöffnet um Schiffe und Boote durchzulassen und zweimal pro Stunde kommt ein Zug. Wenn man zur falschen Zeit kommt steht man hier schon mal eine halbe Stunde.
Wir haben die Brücke aber links liegen gelassen. Besser war das wohl.
Eine letzte Zeitkontrolle und noch eine Stempelkontrolle und wir fanden uns wieder im Stadthafen von Schlesig wieder.
Das Ziel war erreicht.
Von hier ging es wieder zurück zum Betriebshof der Stadtwerke wo es schon wieder was zu Essen gab.
Diesmal ein riesiges Kuchenbufet und die Pokale standen auch schon bereit.
Bis die komplette Auswertung zu Papier gebracht war dauerte es natürlich noch etwas. Schließlich kamen nach uns noch gut 80 Teams ins Ziel.
Die Zeit wurde sinnvoll genutzt und erste Einschätzungen des eigenen Ergebnisses konnten auch schon getätigt werden. Die Zeiten der drei GLP´s vom Vormittag hingen schon aus. Das sah gut aus und viel dürfte da auch nicht mehr zu kommen.
Die Stempelkontrollen waren nun wirklich kaum zu verfehlen. Es hätte mich gewundert, wenn wir hier noch Strafpunkte kassiert hätten.
Bis zur endgültigen Gesamtwertung waren das aber alles nur Vermutungen. Zeit für Spekulationen und Hoffnungen.
Dann war es soweit.
Bei uns kam wie erwartet keine böses Überraschung dazu. Es blieb bei den drei Zeiten aus den GLP´s. Im Prinzip entschieden alleine diese Zeiten über die Platzierungen. Platz für einen Ausrutscher war da nicht.
Wir hatten aber keinen Ausrutscher. Die Zeiten waren sehr gut. 0,76 Sekunden hatten wir auf der Uhr stehen. Damit waren wir ganz vorne mit dabei.
Platz 2 in der Klasse und Platz 3 in der Automobilgesamtwertung. Bingo.
Die Katzentreppe musste wieder herhalten.
Fazit: Auch wenn die diesjährige Wiking-Historic keine allzu große Herausforderung für Beifahrer und Fahrer war kann ich ganz klar ein positives Resümee ziehen. An Organisation, Streckenauswahl und Verpflegung gibt es nichts auszusetzen. Eine mitunter etwas andere Ausführung der Aufgabenstellung, war gewöhnungsbedürftig, aber letztendlich doch verständlich.
Ein kleines bisschen mehr Pfeffer könnte nicht schaden.
Das frühe Aufstehen habe ich aber keinesfalls bereut.
Glückwunsch zur Platzierung!
Möge sich die Katzentreppe biegen …
Hallo, erstmal großes Kompliment für diese Seite. Da steckt erkennbar viel Herzblut drin! Ich habe euren Ost-Blog nur durch Zufall entdeckt und festgestellt, dass wir etwas ähnliches machen: Berichte über Oldtimer-Rallyes schreiben. Bei mir allerdings eher im 200 km Radius um Münster/Westf. herum. Bezüglich der Wiking Historic eine Frage. Wir haben uns mal im Classic Revival Pokal des ADAC eingeschrieben. Dort werden auch die Ergebnisse der einzelnen Fahrten veröffentlich. Insgesamt aus meiner Sicht aber eher semi-professionell und mit enormem Zeitverzug. Zur Wiking Historic finde ich da aktuell den Hinweis
„Nach Beratungen mit dem Serienkoordinator der Klassikserien werden die Ergebnisse zur 23. ADAC Wiking Historic überarbeitet. Die Veröffentlichung des Zwischenergebnisses „Touristisch“ des Classic Revival erfolgt schnellst möglich.“
DAs klingt danach, dass es da wohl enorme Probleme mit der Auswertung gab. Erlebt man ja leider immer wieder. In eurem Bericht steht da aber nichts zu drin? Ein Widerspruch?
Ansonsten ist eine als sportlich deklarierte Rallye, bei der am Ende aber nur 3 einfache GLP gewertet werden bzw. den Ausschlag geben in meinen Augen eher ein Witz. Dafür muss ich nicht einen ganzen Tag durch die Gegend fahren… just my 2 cent…
Weiterhin viel Spass mit den schönen Passats!
Ich denke die Überarbeitung hat nichts mit der Wiking-Historic selber zu tun. Eher wie die Punktevergabe für die ADAC-Wertung gehandhabt wird.
Das Bulletin beim ADAC ist auch noch nicht lange veröffentlicht.
Schauen wir mal , was die sich ausgedacht haben. Die Aktualisierung der Ergebnisse scheint je leider ein Manko bei so gut wie allen Serien zu sein und die Gründe dafür sind vielfältig.
Solange jeder sein eigenes Süppchen kocht, bleiben Abstimmungsprobleme nicht aus.