Die 14 Schrauben der Wahrheit

Genau vierzehn Schrauben muss man herausdrehen um an den Punkt zu gelangen, der für viele VW Passat und Audi 80 der ersten Baureihe schon vor Jahren über Leben und Tod entschied.

Mit vierzehn Schrauben ist der Kotflügel an der Karosserie befestigt. Hat man die alle raus, kann man den alten Kotflügel abnehmen und den neuen Kotflügel draufstecken.

kotfluegel-passat-b1

Wenn man dann noch einen marinogelben Ersatzkotflügel am Lager hat, ist das Ganze echt ein Kinderspiel.

Noch einmal überpolieren, die Zierleiste wieder raufgeclipst und schon ist man fertig.

OK, das war jetzt die Schnellfassung und die enthält noch nicht die angekündigte Wahrheit. Die sieht nämlich in der Realität leider etwas anders.

Obwohl, beim ersten Schritt habe ich noch nicht geflunkert.

kotfluegelschrauben-passat-b1

Denn vierzehn Schrauben sind es normalerweise wirklich.

Ich brauchte allerdings nur dreizehn Schrauben herausdrehen bzw. an die vierzehnte Schraube kam ich gar nicht ran.

a-saeule-passat-b1

Die war nämlich mit Karosseriedichtmasse übergeschmiert. Auf diesen Bild kündigt sich aber schon dass an, was ich eigentlich schon wusste: So ganz taufrisch wird die A-Säule nicht mehr sein.

Ich habe dann auch gar nicht weiter nach der Schraube gesucht und habe sie einfach so herausgenommen. Mit dem Silikon und mit Fragmenten von Kotflügel und A-Säule.

silikon-rost

Aber das Silikon hat jetzt immerhin genau 20 Jahre gehalten. Das habe ich nämlich bei einer ersten Durchsicht während der Abholung des Passat in Erlangen, noch vor Ort dort reingeschmiert. Wenn das keine haltbare Reparaturlösung ist.

Und genau das war auch der Grund, warum ich versucht habe mit Aufklebern von den Rostblasen abzulenken. Wie gesagt mir war schon klar, dass es keine Freude sein wird die Kotflügel mal zu tauschen. Wie die A-Säule aussieht könnt Ihr Euch ja jetzt vorstellen.

loch-a-säule

Eben so, wie eine A-Säule eines VW Passat nach vierzig Jahren in der Regel aussieht. Inklusive dickem Loch. Im Prinzip eher Standard als eine wirkliche Überraschung.

Damit wäre die erste typische Schwachstelle also erfolgreich bestätigt worden. Den Blick auf Schwachstelle Nr. 2 erhält man, wenn der Kotflügel Auflagefläche verlässt.

passat-kotfluegelkante

In der Regel ist es schon ein Indiz für den Zustand der Auflagekante, wie leicht er sich entfernen lässt. Klebt er noch richtig fest oder hat man ihn mit einem Griff in der Hand.

Bei mir war es so ein Mittelding. Eher mit der Tendenz zum Festkleben. Das ist schon mal ein gutes Zeichen. Auch nach einer erste groben Reinigung mit der Drahtbürste war ich angenehm überrascht.

passat-b1-auflagekante-kotfluegel

Die Kante ist noch komplett vorhanden und nicht an einer Stelle durchgerostet. Respekt.

Somit gleich zu Schwachstelle Nr. 3. Dem Dreiecksblech.

dreiecksblech-passat

Das sah ebenfalls besser aus als erwartet. Oben an der Kante war es komplett fest, auf der gesamten Fläche gibt es anscheinend keine Durchrostungen und auch der neuralgische Punkt am Übergang zur A-Säule konnte überzeugen. Der unter Schweißpunkt ist nicht mehr vorhanden aber die typische Durchrostung an dieser Ecke war nicht auszumachen. Zumindest bin ich bisher nicht mit dem Schraubenzieher in den Innenraum gekommen. Die A-Säule ist allerdings auch hier oben noch durch.

Etwas schlechter sah es dann wieder an Schwachstelle Nr.4 aus. Dem Übergang von der A-Säule zum Schweller.

schweller-passat-b1

Allerdings ist auch das eher harmlos. Da bin ich größere Katastrophen gewohnt. Der Schraubenzieher geht zwar durch, vom eigentlich Schwellerblech fehlt aber wirklich nur diese kleine Ecke. Im Bereich der Kotflügelüberlappung steht das Blech noch. Die untere Schraube hat auch noch richtig gut Zug. Damit kann ich leben.

Zufrieden bin ich auch mit dem Zustand vom Lampentopf.

lampentopf-passat-32

Hier und auch am Übergang zur Frontmaske brauche ich wohl nicht mit dem Schweißgerät ran.

passat-frontmaske

Ordentlich entrosten, versiegeln und lackieren dürfte hier wohl ausreichen.

Ich will jetzt keine Schwarzmalerei betrieben, genau dieses Schadensbild ist auch heute noch der Tod für viele Passat der ersten Baureihe. Diesen Schaden zu beheben erfordert schon eine Menge Enthusiasmus oder eine große Verbundenheit zum Fahrzeug. Beides ist bei mir aber ausreichend vorhanden. Klar bringe ich meinen Rallye-Passat wieder auf die Straße.

Es ist jetzt nur die Frage wie ich die Reparatur genau angehe. Das jetzt einfach Husch-Husch zu machen kriege ich nicht hin. Dafür kenne ich mich zu gut. Außerdem wäre es blöd jetzt zu pfuschen und dann irgendwann wieder mit dem selben Problem dazustehen. Ich muss nur aufpassen das es nicht komplett ausartet. Irgendwo muss aber der Punkt kommen, wo ich sage: „Das bleibt jetzt so!“ Auch das fällt mir mitunter sehr schwer.

Schön wäre natürlich eine neue A-Säule. Das Dreiecksblech hat auf jeden Fall ausgedient, auch wenn es noch nicht so schlecht ist. Aber um die A-Säule vernünftig instand zu setzen muss es sowieso raus. Ebenso wie mindestens der vordere Teil des Schwellers. Wie weit sich das dann nach hinten zieht wird sich im Laufe der Reparatur zeigen.

radhaus-passat-32

Jetzt muss ich nur noch eben eine neue oder gute gebrauchte A-Säule auftreiben… Aber woher nehmen?

10 Kommentare

  1. Günter

    Jetzt muss ich nur noch eben eine neue oder gute gebrauchte A-Säule auftreiben… Aber woher nehmen?

    Hast du wohl eine im Lager liegen???
    Ich würde sonst sagen, daß man so etwas Quadratmeterweise in unterschiedlichen Stärken kaufen kann. Dann den alten Rost rausschneiden, neues Blech biegen und reinschweißen. Das beherrscht du sicher !!!
    Oder ein 32B-Schlachter steht bei mir um die Ecke, siehe Passat-Forum. Ob das aber paßt ?????????

    Antworten
  2. Julian

    Hey,das sieht doch halbwegs manierlich aus.. mein GLS war da besonders an der Auflagekante deutlich schlechter beinander.

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  3. Adrian

    Moin Olaf,
    auch von mir natürlich alles zur Aufmunterung nötige.
    Hast du schon einen Plan, wie du den Rest der Rallye-Saison bestreiten willst?
    Wie ich deine Akkribie kenne, dauert die Sanierung ja sicherlich bis in den Sommer hinein.
    Nicht das wir hier ohne Videos und Rätselaufgaben auskommen müssen….
    Herzliche Grüße
    Adrian

    Antworten
    1. OST (Beitrag Autor)

      Eigentlich soll er bis dahin wieder fertig sein. Die Akribie kann dabei etwas auf der Strecke bleiben.

      Antworten
  4. Jörn

    Hallo Olaf,
    aus gut informierten Kreisen weiß ich, dass VW Classic Parts bis vor zwei Monaten noch linke A-Säulen liefern konnte 😉 Jetzt gibt es nur noch komplette Radhäuser; ist das bei Deinem Rallye-Passat auch angeriffen?

    Vermutlich ganz früher Typ 32, da bereits 1976 entfallen und wohl sogar mit Längsträger:
    http://www.volkswagen-classic-parts.de/radhaus-1c4783.html

    Deutlich günstiger, aber eigentlich fürs Zwischenmodell (dürfte bei der A-Säule ja keinen Unterschied machen):
    http://www.volkswagen-classic-parts.de/radhaus-vorne-passat-32.html

    Viele Grüße
    Jörn

    Antworten
    1. OST (Beitrag Autor)

      Danke Jörn. Zumindest bei den zweiten Teil fehlt leider die eigentliche A-Säule. Das Teil hätte ich sogar selber im Lager.

      Antworten
  5. Andreas

    Hallo Olaf, beim CPC gibt es die A-Säule wohl leider nicht mehr, nur noch für den 32B.

    Antworten
    1. OST (Beitrag Autor)

      Ja, leider nur 32B. Ich denke das wird mir nicht viel helfen.

      Antworten
  6. Ingo

    Jo, man hat schon schlimmere Löcher gesehen und auch verschweißt.
    Was ich Dir anbieten kann, ist das originale Schwellerblech, das unten auf der A-Säule aufgeschweißt ist.
    Da hab ich noch mehrere von. Und das ist ja gerade blöd zu biegen.

    LG

    Ingo

    Antworten
    1. OST (Beitrag Autor)

      Liegt schon parat. Aber Danke für das Angebot.

      Antworten

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